Die ehrliche Antwort der Wissenschaft – und weshalb die Konstruktion eines Zahnschutzes trotzdem entscheidend ist.
The Guard – Trusted Knowledge on Sports Protection
Eine Frage, die immer wieder gestellt wird
Ob im Eishockey, Unihockey, Rugby, American Football oder anderen Kontaktsportarten – überall dort, wo hohe Geschwindigkeiten, intensive Zweikämpfe und harte Kollisionen zum Sport gehören, taucht dieselbe Frage auf:
Kann ein Zahnschutz eine Gehirnerschütterung verhindern?
Die ehrliche Antwort lautet: Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gibt es keinen eindeutigen Nachweis dafür.
Dabei ist jedoch eine Unterscheidung entscheidend:
„Nicht eindeutig nachgewiesen“ bedeutet nicht automatisch „keine Wirkung“.
Denn wenn wir nicht eindeutig sagen können, dass ein Zahnschutz eine Gehirnerschütterung verhindert, stellt sich eine andere, ebenso wichtige Frage:
Wie geht ein Zahnschutz mit den Kräften um, die bei einem Aufprall entstehen?
Was passiert bei einer Gehirnerschütterung?
Eine Gehirnerschütterung entsteht, wenn der Kopf innerhalb kürzester Zeit stark beschleunigt, abgebremst oder gedreht wird. Das Gehirn bewegt sich dabei innerhalb des Schädels und wird durch die entstehenden Beschleunigungs- und Rotationskräfte belastet.
Ob daraus eine Gehirnerschütterung entsteht, hängt von vielen Faktoren ab: von Stärke und Richtung des Aufpralls, der Rotationsbewegung des Kopfes und den individuellen körperlichen Voraussetzungen des Sportlers.
Deshalb lässt sich eine Gehirnerschütterung nicht auf einen einzelnen Einflussfaktor oder einen bestimmten Grenzwert reduzieren.
Was sagt die Wissenschaft?
Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich seit Jahren mit der möglichen Rolle von Zahnschützern bei Gehirnerschütterungen. Bis heute gibt es keinen eindeutigen wissenschaftlichen Konsens, dass ein Zahnschutz eine Gehirnerschütterung verhindern kann.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Zahnschutz keinen Einfluss auf die beim Aufprall auftretenden Belastungen haben kann.
Neuere Untersuchungen liefern hierzu interessante Hinweise. In einer 2025 veröffentlichten Untersuchung mit Fussballspielern war die gemessene maximale lineare Kopfbeschleunigung bei standardisierten Kopfbällen mit einem individuell gefertigten Zahnschutz signifikant geringer als ohne Zahnschutz (Pitteu et al., 2025).
Ob eine solche Reduktion im konkreten Fall ausreicht, um eine Gehirnerschütterung zu verhindern, lässt sich daraus nicht ableiten. Eine Gehirnerschütterung ist zu komplex, um sie allein über einen einzelnen Messwert zu definieren.
Für uns ist jedoch ein anderer Punkt entscheidend:
Wenn ein Schutzsystem dazu beitragen kann, die bei einem Aufprall auftretende Belastung zu reduzieren, ist das bereits ein relevanter Vorteil – auch dann, wenn daraus nicht die Aussage abgeleitet werden kann, dass eine Gehirnerschütterung verhindert wird.
Was darüber hinaus gut belegt ist, ist die Schutzwirkung eines Zahnschutzes für Zähne und Mundbereich. Er kann das Risiko von Zahnverletzungen sowie Verletzungen an Lippen, Wangen und Zunge reduzieren und gehört deshalb in vielen Kontaktsportarten zur persönlichen Schutzausrüstung.
Warum die Konstruktion trotzdem wichtig ist
Jeder Aufprall erzeugt Kräfte. Diese Kräfte verschwinden nicht – sie werden aufgenommen, verteilt und weitergeleitet.
Aus technischer Sicht stellt sich deshalb eine entscheidende Frage:
Wie können diese Kräfte möglichst kontrolliert aufgenommen und verteilt werden?
Genau mit dieser Fragestellung beschäftigen wir uns bei der Entwicklung unserer Zahnschützer seit Jahren.
Dabei wurde schnell klar: Materialstärke allein kann nicht die einzige Antwort sein. Ebenso entscheidend sind die Passform, die innere Struktur des Zahnschutzes und die Fläche, über welche auftretende Kräfte verteilt werden.
Präzise Passform als Grundlage
Ein Zahnschutz kann seine Aufgabe nur optimal erfüllen, wenn er exakt auf den Zähnen sitzt.
Zwischenräume zwischen Zahn und Zahnschutz ermöglichen Bewegungen beim Aufprall. Eine präzise Passform schafft dagegen eine direkte Verbindung zwischen Zahnschutz und Zähnen und bildet damit die Grundlage für eine möglichst kontrollierte Kraftübertragung.
Deshalb fertigen wir unsere Zahnschützer individuell auf Basis eines hochpräzisen 3D-Scans. Der Zahnschutz liegt spaltfrei an den Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen an.
Diese Passform sorgt nicht nur für sicheren Halt und hohen Tragekomfort – sie ist ein zentraler Bestandteil unseres Schutzkonzepts.
Energie kontrolliert aufnehmen
In vielen technischen Schutzsystemen geht es nicht darum, Energie vollständig zu stoppen. Entscheidend ist vielmehr, wie sie aufgenommen und verteilt wird.
Ein bekanntes Beispiel ist die Knautschzone eines Autos. Sie verhindert den Aufprall nicht. Ihre Konstruktion wurde vielmehr dafür entwickelt, einen Teil der auftretenden Energie kontrolliert aufzunehmen.
Dieser Grundgedanke hat auch unsere Entwicklung beeinflusst.
Die innere Honeycomb-Struktur unserer Zahnschützer wurde entwickelt, um Aufprallenergie kontrolliert aufzunehmen und zu verteilen.
Die Wabenstruktur schafft innerhalb des Zahnschutzes Bereiche, die sich unter Belastung verformen können. Dadurch soll ein Teil der auftretenden Energie innerhalb der Struktur aufgenommen werden, anstatt möglichst direkt weitergeleitet zu werden.
Kräfte auf mehrere Zähne verteilen
Neben der Energieaufnahme spielt auch die Verteilung der Kräfte eine entscheidende Rolle.
Wirkt eine hohe Kraft auf eine kleine Fläche, entsteht dort eine hohe lokale Belastung. Kann dieselbe Kraft dagegen über eine grössere Fläche und mehrere Zähne verteilt werden, reduziert sich die Belastung pro Flächeneinheit.
Genau deshalb ist die spaltfreie Passform für unser Konzept so wichtig: Sie ermöglicht es, mehrere Zähne in die Kraftverteilung einzubeziehen.
Je grösser die Fläche, über welche eine Kraft verteilt werden kann, desto geringer kann die lokale Belastung ausfallen.

Zwischenräume vs. spaltfreie Passform: Während bei konventionellen Zahnschützern Bereiche zwischen den Zähnen ungeschützt bleiben können, füllt Swiss3DGuards die Zahnzwischenräume aus und wurde entwickelt, um auftretende Kräfte über eine grössere Fläche zu verteilen.
Drei Prinzipien – ein gemeinsames Ziel
Die Entwicklung unserer Zahnschützer basiert deshalb nicht auf einem einzelnen Merkmal. Sie verbindet drei konstruktive Prinzipien, die direkt aus den zuvor beschriebenen Problemstellungen entstanden sind:
Gap-Free Fit™
Eine spaltfreie Passform zwischen Zahnschutz und Zähnen schafft die Voraussetzung dafür, auftretende Kräfte möglichst direkt und kontrolliert in die gesamte Konstruktion einzuleiten.
Honeycomb Shock-Absorption Technology™
Die innere Wabenstruktur wurde entwickelt, um Aufprallenergie kontrolliert aufzunehmen und zu verteilen.
Impact Force Distribution™
Die präzise Passform und grossflächige Abstützung wurden entwickelt, um auftretende Kräfte nicht punktuell auf einen einzelnen Zahn zu konzentrieren, sondern möglichst über mehrere Zähne zu verteilen.
Passform, Energieaufnahme und Kraftverteilung bilden gemeinsam das konstruktive Schutzkonzept unserer Zahnschützer.
Fazit
Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist nicht eindeutig belegt, dass ein Zahnschutz eine Gehirnerschütterung verhindern kann. Studien zeigen jedoch, dass individuell gefertigte Zahnschützer unter bestimmten Bedingungen die gemessene Kopfbeschleunigung reduzieren können.
Unsere Entwicklung konzentriert sich deshalb auf drei zentrale Prinzipien: spaltfreie Passform, kontrollierte Aufnahme von Aufprallenergie und grossflächige Kraftverteilung über mehrere Zähne.
Unser Ziel ist klar: Die bei einem Aufprall auftretenden Kräfte möglichst kontrolliert aufnehmen, verteilen und die resultierende Belastung so weit wie technisch möglich reduzieren.
The Guard
Trusted Knowledge on Sports Protection
Wir möchten Wissen vermitteln, nicht Mythen verbreiten. Deshalb beschäftigen wir uns in The Guard mit Fragen, die Athleten, Trainer und Fachpersonen tatsächlich beschäftigen – wissenschaftlich fundiert, verständlich erklärt und mit den Erfahrungen aus unserer täglichen Arbeit im Sport verbunden.
Quelle
Pitteu, C., Lepère, P., Poisson, P., Guillaud, E., Doat, E., Glize, B., Dehail, P., & Cassoudesalle, H. (2025). A custom-made mouthguard reduces head acceleration during soccer heading and prevents acute electrophysiological and cognitive changes in amateur male players. EBioMedicine, 115, 105674.
